Tag 5 · Radreise 2021 · Berlin – Rostock

Von den Hexen vertrieben

⏱ 2:21 h ↔ 31,9 km ø 13,6 km/h ↑ 200 hm ↓ 200 hm
Von Campingplatz Ellenbogensee
Nach Naturcampingplatz Hexenwäldchen
Radweg Mecklenburgische Seenplatte
Kinder 3 (8, 10, 12 J.)

Nach unserem allmorgendlichen Trott, Frühstück, Sachen zusammenpacken, Zelt einpacken, Räder beladen, ging es weiter. Zwischendurch schielte ich neidisch zu einer Gruppe junger Leute sowie einer Familie rüber, die schon fertig waren, als wir gerade mal mit dem Frühstück durch waren. Wie machen die das immer bloß so schnell, fragte ich mich. Wir trödelten nicht groß rum, hetzen wollten wir aber auch nicht. Dennoch, die waren fertig und wir noch lange nicht.

Nun gut, wie auch immer. Heute sollte es zum Naturcampingplatz Hexenwäldchen gehen. Da ich dort schon zweimal war, vor 13 und ca. 20 Jahren, und damals begeistert von diesem Platz war und den Kindern zu Hause davon vorgeschwärmt hatte, waren wir alle gespannt. Ich hatte bei der Planung der Tour extra darauf geachtet, dass wir dort übernachten. Also ging es nun los. Die Strecke heute führte uns vorbei an vielen Seen. Es sollte auch sehr warm werden.

Beim Verlassen des Campingplatzes kamen wir an dem kleinen Restaurant vorbei und dort traf ich die Jugendlichen sowie die Familie wieder. Beide Gruppen waren mit Frühstück beschäftigt. Das besänftigte mich etwas, sind wir doch nicht so bummelig unterwegs.

Unterwegs an der Mecklenburgischen Seenplatte
Unterwegs an der Mecklenburgischen Seenplatte

Unseren ersten Stopp legten wir nach wenigen Kilometern in Wustrow ein. Wir badeten sehr ausgiebig an einem einsamen Strand und aßen an einem Kiosk. Dann ging es weiter. Die Strecke war schön, zog sich allerdings hin, was sicher auch etwas der Hitze geschuldet war. Als bei den Kindern langsam die Luft ausging und die Lust verloren wurde, kam leider keine Eisdiele oder ähnliches mehr, um die Stimmung etwas aufzupäppeln. Blieb mir nur, sie mit dem tollen Campingplatz zu locken.

Wir kamen etwas früher als sonst am Campingplatz an und freuten uns, bald ins Wasser hüpfen zu können. Doch ich wurde schwer enttäuscht. Der Platz ist nicht mehr das, was er mal war. Er war voll, sehr voll, was für den Betreiber sicher super ist und kein Qualitätsmangel darstellt. Das Anmelden dauerte ewig. Wir mussten mit vielen anderen auf einer kleinen Fläche warten. Ich hatte den Platz als ökologischen Campingplatz in Erinnerung, mit Liebe zum Detail und Ruhe. Davon war nichts mehr übrig. Das Einchecken war ein lautes Event. Alles so ökonomisch professionell. Der Platz, den wir zugewiesen bekamen, war auch nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Es hatte niemand mehr Lust, ins Wasser zu gehen. Nun gut, Corona und alle wollen raus. Da muss man eben über einiges hinwegsehen.

In der Nähe gab es ein kleines und sehr nettes Restaurant, die Räucherkate am Hexenwäldchen, in der wir uns erstmal die Bäuche mit schmackhaften Gerichten vollstopften.

Danach war Dusch-Time angesagt. Nein, doch nicht. Die Waschhäuser waren so verdreckt, dass die Kinder dankend ablehnten und sich mit einer Katzenwäsche begnügten. Die Sandhaufen im Waschhaus hätten für eine große Kleckerburg gereicht. Von den Klos wehte zudem ein Gestank herüber, den wir nicht allzu lange ertragen wollten. Ok, bei so viel Betrieb und Strandnähe kann das zu Spitzenzeiten mal passieren. Das Personal kann nicht rund um die Uhr putzen.

Nach der Körperhygiene gingen die Mädchen ins Zelt und ich mit meinem Sohn zum Lagerfeuer, das der Campingplatz jeden Abend ein paar Meter entfernt organisiert. Ein Punkt, für den der Platz bekannt ist, dazu kommen noch Märchenstunden am Abend und geräucherter Fisch. Das Feuer war schön. Leider hatten wir weder einen Stock noch Marshmallows oder Stockbrot dabei. Weil mein Sohn so traurig darüber war, fragte ich eine nette Familie, und sie liehen uns ihren Stock und schenkten uns ein paar Marshmallows. Doch ganz nett hier, dachte ich.

„Oh sorry, ich hatte doch nur zu den Kindern gesagt, wo die Taschenlampe liegt – kann im Dunkeln und durch die Zeltwand so schlecht Zeichensprache."

Zurück am Zelt, es war inzwischen kurz nach 22 Uhr und die Nachtruhe hatte eingesetzt, holte ich die Mädchen aus dem Zelt, um mit ihnen nochmal gemeinsam zum Bad zu gehen. Es war so dunkel in unserer Ecke, dass man ohne Lampe nichts sah, und die Mädchen gruselten sich, alleine zu gehen. Kaum hatte ich ein Wort gesagt, wurden wir sofort ermahnt, die Nachtruhe einzuhalten. Meine Kinder waren so verängstigt, dass sie ab sofort schwiegen.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Als Mutter von drei Kindern mag ich es auch nicht, wenn nach einer gewissen Zeit lauter Trubel auf einem Campingplatz herrscht. Hier wurde jedoch meines Erachtens etwas streng reagiert. Vor dem Waschhaus wartete eine kleine Gruppe Erwachsener und redete leise, ohne dass direkt daneben Zelte standen. Zack, Ermahnung. Wenn Sie dann meinen.

Als wir zum Zelt zurückkehrten, schreckten wir eine Schlange oder Natter auf, so genau ließ sich das im Dunkeln leider nicht feststellen. Ich musste dann als Erste ins Zelt, um nachzusehen, dass sich dort keine weitere versteckt. Das alles im Übrigen mit Zeichensprache, sprechen trauten wir uns nicht mehr.

So schliefen wir bald ein. Morgen früh ist das Waschhaus sauber und dann werde ich mich duschen, hoffte ich.

Strecke auf Komoot