Tag 3 · Radreise 2021 · Berlin – Rostock

Warum wir in Brandenburg über ein Kamel gefahren sind

⏱ 3:29 h ↔ 48,9 km ø 14,0 km/h ↑ 250 hm ↓ 220 hm
Von Campingplatz Oranienburg
Nach Freihafen Mildenberg
Radweg Berlin-Copenhagen-Radweg
Kinder 3 (8, 10, 12 J.)

Morgens wurde ich von einem lauten Brummen geweckt, dessen Ursprung ich erst nicht zuordnen konnte. Es verschwand nach einer Weile, nur um einige Zeit später wiederzukommen, zu verschwinden und wiederzukommen. Irgendwann konnte ich ausmachen, dass es vom Kanal herkommen musste. Als wir zum frühen Abend auf dem Campingplatz angekommen waren, waren nur ein paar Sport- und Hausboote auf dem Kanal – die machten jedoch nicht so einen Krach. Ich krabbelte aus dem Zelt, um nachzuschauen. Auf dem Kanal waren Frachtschiffe unterwegs. Die meisten hatten Schrott geladen. Ich vermute, dass der Schrott nach Brandenburg gebracht werden soll, dort gibt es ein Stahlwerk. Offenbar fahren diese Schiffe nachmittags nicht, fangen dann aber 6 Uhr morgens an. Die Kinder schliefen selig weiter und so nutzte ich die Zeit, uns Brötchen für das Frühstück zu besorgen.

Nach dem Frühstück fuhren wir in die Stadt, um das Oranienburger Schloss zu betrachten. Der Radweg sollte unterhalb des Schlosses vorbeiführen und einen großartigen Blick auf das Schloss eröffnen. Das Schloss zu finden war nicht schwer. Allerdings haben wir den Weg weiter nicht gefunden und sind vom Wege abgekommen. Leider konnten uns auch Passanten nicht helfen, die wir fragten. So irrten wir erst einmal hin und her, kamen dann zurück an den Kanal – allerdings verpassten wir den Blick auf das Schloss über den Kanal.

Oranienburg
Oranienburg

Wir waren noch nicht lange am Kanal unterwegs, als ich den Ruf meiner Tochter wahrnahm: „Mama, ich habe Hunger." Ach ja, kaum waren wir endlich nach langem Packen unterwegs, kam bei ihr der Hunger. Also erstmal Pause. Wir suchten eine günstige Stelle am Kanal und picknickten.

Nachdem der Radweg den Oder-Havel-Kanal verlässt, verläuft der Weg sehr lange durch den Wald. Hier trafen wir einen Würstchengrill, der aus einem alten Trabi gebaut wurde. Die Gelegenheit nutzten wir für eine kurze Eispause. Außerdem trafen wir im Wald die ersten Mücken und eine Frau, die Beeren und Pilze sammelte. Wir unterhielten uns sehr angenehm mit ihr und halfen ihr beim Pilzesammeln.

Kurz vor Zehdenick konnten wir eine Schleusung beobachten. Insbesondere mein kleiner Sohn war begeistert.

In Zehdenick gibt es eine historische Hubbrücke, die noch funktionstüchtig ist. Wenn ein Schiff hindurch will, wird die Brücke nach oben geöffnet, indem die Straße quasi gegen den Himmel hochgekurbelt wird. Gerade, als ich auf dieser Brücke war, schrie mein kleiner Sohn hinter mir ganz aufgeregt: „Mama, Mama!"

Ich wollte noch die 2 Meter von der Brücke fahren, um nicht auf ihr anhalten zu müssen – was ihn jedoch noch mehr in Aufregung versetzte.

Also sprang ich vom Rad, um zu schauen, was bei ihm los war. Er konnte nicht mehr fahren, sein Hinterrad war blockiert. Der Ärmel seiner Jacke, die er auf den Gepäckträger geklemmt hatte, hatte sich gelöst und sich im Rad verheddert. Der Ärmel war derart um die Achse verwickelt, dass ich die Jacke nicht mehr retten konnte. Ich musste den Schnellspanner lösen, um die Jacke zu entfernen – und auch dann kam sie nur noch mit einem riesigen Loch im Ärmel heraus. Nun ja, Schwund ist immer dabei. Zum Glück hatte mein Kleiner zwei Jacken dabei. Das war eigentlich nicht geplant, nun war es gut so.

In Zehdenick kauften wir kurz für unser Abendessen ein und verließen den Ort Richtung Campingplatz, dem Freihafen Mildenberg. Dafür mussten wir über die sogenannte Kamelbrücke. Diese Brücke macht ihrem Namen alle Ehre: auf der einen Seite geht es den Kamelbuckel steil hinauf, auf der anderen steil hinunter. Nach der Brücke fuhren wir auf einem kleinen Weg, der links und rechts vom Wasser begrenzt war. Herrlich.

Der Freihafen Mildenberg ist ein unkonventioneller, ökologischer und geschmackvoll eingerichteter Campingplatz mit viel Sinn für Harmonie. Ich fand ihn herrlich, für die Kinder war er etwas befremdlich – insbesondere die Dusche, die quasi im Freien war. Wir bauten unser Zelt etwas versteckt in einer Ecke auf und widmeten uns auf einer der vielen Bänke dem Abendessen. Neben uns zeltete die Frau mit dem kleinen Zelt, die wir bereits in Oranienburg getroffen hatten. Sie wirkte nach wie vor kühl und schien an keinem Gespräch interessiert. Nach dem Abendessen gingen wir alsbald ins Bett – wir waren alle vier recht müde.

Strecke auf Komoot